Mai 2013

Wie man die Sonne ohne Eimer einfangen kann

Stromautarkie im eigenen Haus: Sonnenflüsterer Renz referierte auf Einladung der S.U.N.-Vorsitzenden Denz

 

Bericht von Ulla Brinkmann

Kaum lag das neue Förderprogramm der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) vor, kam auch schon „Sonnenflüsterer“ Erhard Renz nach Mosbach, um von seinen eigenen Erfahrungen mit dieser relativ jungen Technik zu berichten. Seit dem 1. Mai 2013 nämlich unterstützen die KfW-Bankengruppe und das Bundesumweltministerium die verstärkte Nutzung von Batteriespeichersystemen in Verbindung mit Photovoltaikanlagen, die an das Stromnetz angeschlossen sind. „Damit soll die Markt- und Technologie-Entwicklung  von Batteriespeichern angeregt werden“, hatte Gastgeberin Christine Denz ins Gasthaus Lamm eingeladen. Seit vielen Jahren macht sie sich mit dem Verein S.U.N. stark für die Energiewende.

Denz sieht mit der Einführung und Anwendung von Speichern für alternativ erzeugte Energie eine weitere Stufe für den Klimaschutz, für effiziente, erneuerbare und eingesparte Energie erreicht. „Wir kommen dem alten Traum der Menschheit, die Sonne einzufangen, näher – und sind dabei schon ein ganzes Stück weiter als die Schildbürger“, spielte sie an auf deren Versuch, die Sonne mit Eimern ins stockfinstere Rathaus zu tragen. Auch Erhard Renz hat keine Eimer benutzt, um die auf seinem Hausdach eingefangene Sonnenenergie zu speichern. Die alte Photovoltaik-Anlage wurde 2012 ersetzt und um einen Akkuspeicher ergänzt. „Das Ganze hat mich inklusive Montage 26 000 Euro gekostet“, berichtete der aus dem südhessischen Bürstadt kommende Kämpfer für die Sonnenenergie. Er rechnet mit einer Förderung in Höhe von 4200 Euro durch die KfW. Seine Investition glaubt Renz in 13 bis 14 Jahren wieder raus zu haben. „Jede weitere Strompreiseerhöhung“, frohlockte Renz, „verkürzt diese Laufzeit.“

In seine Rechnung lässt der Sonnenflüsterer außer Eigenverbrauchsvorteil und Batteriespeicherung Stromeinsparungen und Lastverschiebungen einfließen. Die gerade entsorgte, wenngleich funktionsfähige 23 Jahre alte Kühl-/Gefrier-Kombination wurde durch ein Gerät der Energieklasse A+++ ersetzt, so dass jährlich rund 100 Euro weniger Stromkosten entstehen. Auch die Halogenbeleuchtung im Hause Renz wurde durch stromsparende LEDs ausgetauscht. „Das ist die konkrete persönliche Energiewende“, ermunterte Renz die Zuhörerschaft im Lamm immer wieder dazu, die „eigene kleine Klimakonferenz“ zu machen. Dennoch seien die Speicher nichts für Geldanleger, eher was für Pioniere. Die Entwicklung stehe noch am Anfang. „Wenn ein Batterie-Produzent tausend Stück im Jahr verkauft, ist das viel.“

Da die Einspeisevergütung von Solarstrom immer weiter sinke, werde es für die Betreiber von Solarstromanlagen zukünftig lukrativer sein, die selbst erzeugte Energie selbst zu verbrauchen. Renz schimpfte über die Ungerechtigkeit: „Wir liefern Strom in das öffentliche Netz, und wenn wir eine Kilowattstunde später wieder aus dem Netz entnehmen, zahlen wir mehr, als wir bekommen haben.“ Mit Batterien würde man unabhängiger; der Anteil der selbst erzeugten und selbst verbrauchten Energie lasse sich mit Speichern mehr als verdoppeln.

Renz‘ und Denz‘ Appelle an die energetische Eigeninitiative jedes Einzelnen führte noch zu dem Hinweis, dass die große, die notwendige Wende erst gelingen könne, wenn die Energiezwerge eine deutliche Lobby hätten. „Es gibt 1,3 Millionen Solaranlagen-Besitzer ohne Sprachrohr. Das soll sich ändern mit dem DSC, dem Deutschen Solarbetreiber-Club“, warben Veranstalterin und Referent für eine Mitgliedschaft in dem erst vor einem Jahr gegründeten Club.

 

S.U.N. e. V.

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